Gedanken zum Tag - Kirche-Lenzen-Lanz-Seedorf

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Herrnhuter Losung

des Tages

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Liebe Leser und Freunde unserer Gemeinden!

Der deutsche Bundespräsident Steinmeier hielt Anfang September auf der Vollversammlung des Ökumenischen Weltkirchenrates in Karlsruhe eine flammende Rede zum dringenden Frieden in der Ukraine und überhaupt.
Dagegen ist nichts zu sagen, auf keinen Fall … ich stelle aber fest: irgendwo, irgendwann habe ich solche Friedensapelle schon öfter gehört. Immer dann, wenn Unfrieden uns aus unserer scheinbaren Sorglosigkeit hochschreckt. Ich denke an den Golfkrieg, den Irak-Krieg, den Krieg im ehemaligen Jugoslawien, den Krieg des Islamischen Staates gegen eine ganze Region … immer tauchten die Friedensappelle, die Friedensreden, die Friedensmärsche auf, Friedenstauben wurden gebastelt (z.Zt. in gelb-blau angemalt), Friedenslieder gesungen und der Frieden gefordert.
Und doch habe ich zunehmend das Gefühl: es fehlt was. Wir haben was übersehen. Irgendwas stimmt da am ganzen Friedensgetöse nicht. Denn wo so viel von Frieden geredet und getönt wird … müsste da nicht schon längst der ultimative Frieden in der Welt eingekehrt sein?
Mein Schluckauf kommt, als ich mich plötzlich frage: bin ich eigentlich selbst ein Mensch des Friedens? In meinem täglichen Tun, in meinen Beziehungen, auch in meinen Gedanken?
Ja, bin ich überhaupt mit mir selbst im Frieden? Mit meinem Alltag, mit meinem Können und meinen Begabungen oder auch Nicht-Begabungen (!), mit meiner täglichen Leistung? Bin ich mit meinem Aussehen im Frieden oder auch mit meiner Lebensgeschichte, mit meiner momentanen Lebenssituation?
Bin ich im Frieden mit meinem Ehepartner, meinen Kindern, meinen Eltern, mit meinen Nachbarn und Arbeitskollegen? Ist da irgendwo bei irgendwem erst einmal Vergebung dran, bevor ich großspurig vom Frieden in der Welt rede und ihn plakativ fordere? Ich merke, wie sehr ich plötzlich stocke und ins Stolpern gerate … über meine eigene Frie-densbefindlichkeit.
Und dann zweifle ich, ob politischer Frieden - egal welchen Couleurs - überhaupt möglich ist, wenn er von Menschen „gemacht“ werden soll, die persönlich mit sich selbst und anderen Menschen nicht im Frieden sind.
In diesem Zweifel wende ich mich an Jesus, der gesagt hat: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“
Dieser Spruch, der in der Wustrower Kirche als Wandteppich hängt, ist meine Hoffnung.
Einen wirklichen Frieden kann nur der geben und leben, der vom Frieden Jesu erfasst und erfüllt ist. Ich denke, es wird ein Frieden sein, der zwar jenseits aller menschlichen Vernunft scheint, aber doch ein Frieden ist, der - in Jesus verankert - ein Frieden ist, der das Leben mit all seinen Licht- und Schattenseiten, mit all seinen Kriegs- und Friedens-zeiten in Gottes Händen weiß.
Ich wüsste nicht, woher ich sonst Hoffnung auf Frieden nehmen könnte, zum Frieden mit mir selbst, zum Frieden mit anderen Menschen, zum Frieden in der Welt.
Ich wünsche Ihnen einen Herbst, in dem Sie diesen tiefen Frieden Jesu in sich spüren.

Herzlich Ihr Pfarrer Wolfgang Nier
Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.  Johannes 6,37

Eine offene Tür ist einladend. Sie symbolisiert: „Tritt ein, du bist hier  willkommen.“ Im Gästebuch der St.-Katharinen-Kirche in Lenzen erblicke ich immer wieder die Freude der Gäste, dass die Kirche offen ist.  Den Raum erkunden oder die Stille nutzen. Kirchengebäude ziehen  Menschen an, ob als geschichtsträchtiger Raum oder als Ort der Stille  und des Gesprächs mit Gott. Es ist wunderbar, wenn wir in unserem Leben auf offene Türen treffen.  Türen von Gebäuden oder auch die Offenheit anderer Menschen, die  einladen, miteinander ins Gespräch zu kommen, die sich Zeit füreinander nehmen oder einfach füreinander da sind. Doch es gibt auch das Gegenteil: Türen die mir verschlossen bleiben,  vielleicht sogar mit dem Hinweisschild „Zutritt verboten“. Und ebenso  kommt es vor, dass wir uns verschließen, andere nicht an uns herankommen lassen. Das mag verschiedene Gründe haben und heißt nicht  automatisch, dass ein Interesse am Gegenüber fehlt. „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Jesus ist die Tür, die uns immer offensteht. Er ist Gottes Einladung zu  ihm zu kommen und uns durchs Leben zu begleiten. Er will uns bestärken ihm zu vertrauen, uns nach ihm auszurichten und seine Liebe anzunehmen. Dabei befähigt er uns, diese  Liebe nicht für uns zu behalten, sondern  sie weiterzugeben und mit unseren Mitmenschen zu teilen. Gottes Liebe hat  Strahlkraft. Sie lässt sich nicht für einen  Einzelnen oder eine kleine Gruppe vereinnahmen, sondern sie gilt allen seinen  Menschenkindern.  Da wo wir an unsere Grenzen stoßen,  dürfen wir uns daran erinnern, dass bei  Jesus niemand abgewiesen wird. Lassen  Sie uns dieser Einladung folgen und lassen Sie uns zu offenen Türen  für unsere Mitmenschen werden. Ganz nach den Worten Jesu: „Wer zu  mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“

Pfr. Kostropetsch

  
Die Jahreslosung 2022

Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.
Johannes 6,37 (E)
Auslegung der Jahreslosung 2022
Das Gefühl, vor einer Tür zu stehen und nicht zu wissen, wer einen wie empfängt und was einen dahinter erwartet, kennen wir alle. Jede Tür kann andere Gefühle in uns auslösen. Stehen wir vor dem Amtszimmer einer Behörde, der Haustür von Freunden, der Sprechzimmertür einer Arztpraxis oder stürmen gleich unsere Kinder oder Enkel herein? Unzählige „Türmomente“ erleben wir im Laufe unseres Lebens – hinter und vor Türen. Wunderschöne und unangenehme. Türen können trennen und verbinden. Meist hängt es von beiden Seiten ab – vor und hinter der Tür.
Auch Jesus und die Menschen um ihn herum kennen „Türmomente“. An solche Erfahrungen knüpft Jesus an, wenn er zu ihnen sagt:

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“
Dieses Mal haben sie auch keine Fahrt über den See Genezareth gescheut, um ihn zu sehen. Sie haben am Tag davor erlebt, wie Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen über fünftausend Menschen satt machte. Wenn der nicht der längst verheißene Prophet, der Messias ist, auf den schon ihre Väter und Mütter hofften, wer denn dann? Was hindert sie daran, ihn sofort zu ihrem König zu machen?
Doch Jesus entweicht auf die andere Seite des Sees nach Kapernaum. Vergeblich! Die Nachgereisten bestürmen ihn mit Fragen wie: „Was müssen wir tun, um Gott zu gefallen?“ „Welche Zeichen kannst du uns noch liefern, damit wir deinen Worten glauben können? Liefere uns den Beweis!“ Jesus weicht ihren Fragen nicht aus. Seine Antworten gipfeln in einer schlichten und zugleich provozierenden Behauptung: „Vor euch steht die Antwort auf alle eure Fragen: Ich bin`s! Ihr habt doch meine Worte gehört, meine Taten gesehen und glaubt mir trotzdem nicht! Wo ich bin, findet ihr Gott. Kommt zu mir, vertraut mir, nur ich kann euren Hunger und Durst nach Leben stillen. Sogar über dieses Leben hinaus!“
Viele solcher Gespräche schildert der Evangelist Johannes und leitet sein Evangelium mit den Worten ein:
„Er kam in die Welt, die ihm gehört. Aber die Menschen dort nahmen ihn nicht auf. Aber denen, die ihn aufnahmen, verlieh er das Recht, Kinder Gottes zu werden.– Das sind alle, die an ihn glauben.“ (Johannes 1, 11 u. 12)
Gott zieht es zu uns Menschen und er setzt alles daran, uns zu sich zu ziehen. Doch er zwingt sich nicht auf. Wer sich ziehen lässt, dem gilt Jesu Zusage:
„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“
So befolgt er den Auftrag seines Vaters und versucht, ihn den Umstehenden zu erklären:
Denn dazu bin ich vom Himmel herabgekommen: Nicht um zu tun, was ich selbst will, sondern was der will, der mich beauftragt hat. Und das ist der Wille dessen, der mich beauftragt hat: Ich soll keinen von denen verlieren, die er mir anvertraut hat. Vielmehr soll ich sie alle am letzten Tag vom Tod erwecken. Denn das ist der Wille meines Vaters: Alle, die den Sohn sehen und an ihn glauben, werden das ewige Leben erhalten“. (Johannes 6, 38 – 40)
Auch dieses Mal lösen Jesu Worte heftige Reaktionen aus: „Das geht zu weit! Was für eine Zumutung! Der überschätzt sich total. Wir kennen doch seine Eltern! Wir sind dann mal weg!“ An Jesu Anspruch scheiden sich die Geister. Bis heute.
Seine Worte sprengen auch meine Vorstellungskraft. Wie soll ich das verstehen, dass wir nur zu Jesus kommen können, wenn Gott uns zuvor anspricht, wenn er uns seinem Sohn „anvertraut“? Was passiert, wenn Gottes Wort unser Herz nicht erreicht? Besser: wenn seine Einladung nicht bei uns ankommt? Wie verbindet sich der Wille Gottes mit unserem, damit wir seine Einladung hören und ihr folgen können? Diese Spannung können wir nicht auflösen und brauchen es auch nicht. Wie eine Einladung so ist auch der Glaube unserer Verfügbarkeit entzogen und bleibt ein Geschenk. Mehr noch: er bleibt ein Geheimnis. Ein unerklärlicher Ausdruck göttlicher Liebe.

Geheimnisvolles liegt auch in Stefanie Bahlingers Grafik. Eine geöffnete Tür weckt meine Neugierde: wer hat sie geöffnet und für wen? Ich sehe nur einen kleinen Ausschnitt des Raums dahinter. Niemand da? Wer und was erwarten mich, wenn ich mich nähere? Darf ich eintreten?
Auf einem Tisch liegt ein Brot, dicht daneben steht ein Glas Wein. Für wen? Der Tisch ist nur angedeutet, wirkt schwebend. Sonst sind keine Möbel zu sehen, weder ein Schrank noch Stühle, auch keine Rückwand. Nur warmes, einladendes Licht, das von hinten in den Raum fällt und sich nach außen hin ausbreitet. Woher kommt es? Der Lichtkegel sieht aus wie ein Weg. Der Zutritt ist barrierefrei, der Eintritt frei - kein „Türsteher“, keine Kontrolle.
Bleibt die Tür offen oder fällt sie irgendwann ins Schloss? Ein überdimensionaler goldener Schlüssel in Form eines Kreuzes baumelt an einer Kette von oben herab. Das Kreuz als Schlüssel zum Leben … Beim genaueren Hinsehen entdecke ich auch auf dem Brot ein zartes goldenes Kreuz. Ebenso könnte das Rot des Weines im Kelch mit dem Rot am linken Türrahmen korrespondieren.
Ansonsten bestimmen pastellige Blautöne die obere Bildhälfte, die sich mit den zarten Braun- und Grautönen der unteren Bildhälfte vermischen. Himmelsfarben treffen auf erdige Töne. Der Ort scheint zwischen Himmel und Erde zu schweben.
Wo finde ich diesen Raum mit seiner geheimnisvollen Weite, diesen Ort, an dem ich mich zuhause und geborgen fühlen könnte? Ist es ein Sehnsuchtsort, der sich überall auftun könnte, vielleicht sogar in meinem Herzen?
Mir scheint, als habe uns die Künstlerin in ihrer symbolreichen Grafik nicht nur einen Ort, sondern zugleich den Gastgeber selbst vor Augen gemalt, der uns zu sich einlädt und verspricht:
„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“
Das gilt auch für Jesu Einladung zum Abendmahl. Brot und Wein bilden die Mitte der Grafik. In ihnen ist Jesus selbst gegenwärtig. Wie wir bei der Mahlfeier Brot und Wein in uns aufnehmen, so möchte Jesus auch in unsere Herzen aufgenommen werden und uns schon im Hier und Jetzt nahe sein. Nichts und niemand kann uns von ihm und seiner Liebe trennen. Auch nicht der Tod.
Es berührt mich, dass Jesus vor meiner Tür steht und nur eintritt, wenn er nicht abgewiesen wird. Er fragt dabei nicht einmal nach meinen „Gastgeberqualitäten“. Seine verschweigt er jedoch nicht. In seinen „Ich-Bin-Worten“ stellt er sich als der von Gott Gesandte vor. Sie stecken voller Bilder und Vergleiche, die Stefanie Bahlinger in ihrer Grafik aufnimmt und „zitiert“:
„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht mehr hungern. Und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“ (Johannes 6, 35)
„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir folgt, irrt nicht mehr in der Finsternis umher. Vielmehr wird er das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12)
„Ich bin die Tür. Wer durch mich hineingeht, wird gerettet. Er wird hinein- und hinausgehen und eine gute Weide finden. Ich bin gekommen, um ihnen das wahre Leben zu bringen –das Leben in seiner ganzen Fülle.“ (Johannes 10,9 u. 10b)
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Es gibt keinen anderen Weg zum Vater als mich. (Johannes 14,6)
„Ich bin die Auferstehung und das Leben! Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht von Gott getrennt. Glaubst du das?“ (Johannes 11, 25 u. 26)
Was für ein Angebot, was für eine Einladung! Und doch hält sich die Begeisterung vieler Menschen damals wie heute in Grenzen. Oft bleibt sie ungehört oder landet ungelesen im Papierkorb. Vielleicht auch weil sie den Gastgeber nicht kennen und sich lieber in ihren vertrauten vier Wänden aufhalten. Wie gut, dass die Tür Tag und Nacht geöffnet bleibt und Jesus keiner Frage ausweicht, jedes Gebet hört. ER hält es auch aus, wenn wir gerade viel Wichtigeres zu tun haben, als uns mit IHM und seiner Einladung zu befassen.
Nur wenn ich Jesu Einladung folge, lerne ich seine Gastgeberqualitäten kennen. ER hört nicht auf, jede und jeden unermüdlich persönlich einzuladen. Ein Gebet kann schon ein erster Schritt sein. – ER wartet …
Nie vergesse ich die strahlenden Augen unserer Enkeltochter, als sie uns voller Stolz ihre erste Einladung zu einem Kindergeburtstag entgegenstreckte! Diese flog bis heute nicht in den Papierkorb, auch wenn der Geburtstag schon lange vorbei ist.

Motiv: Stefanie Bahlinger
Auslegungstext: Renate Karnstein
Bibelstellen zitiert nach: BasisBibel Altes und Neues Testament, © 2021 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart
Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt,den werde ich nicht abweisen.
Joh.6,37
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